Institut für Technische Chemie Arbeitsgruppen
Biomedizintechnik für Diagnostik und Tissue Engineering

Biomedizintechnik für Diagnostik und Tissue Engineering

Arbeitsgruppe | apl. Prof. Dr. Cornelia Blume

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Die Arbeitsgruppe untersucht neue Implantatmaterialien in 3D-Zellkulturmodellen und die dynamische Kultivierung autologer (Endothel-)Zellsysteme in speziellen Pulswellen-Bioreaktoren für ein vaskuläres Graft. Mikrostrukturierte Scaffolds und neue Biotinten werden im 3D Printing designt. Daneben entstehen Lateral Flow Tests z. B. nach Nierentransplantation sowie optogenetisch aktive Zellsysteme für die Wirkstofffreisetzung im Innenohr (Hearing4All). KI-basierte Indikatoren aus komplexen Datenbanken unterstützen u. a. Versorgungsforschungsprojekte (MinDial, Fokus: nierenkranke Patienten).

Entwicklung einer bioartifiziellen Gefäßbioprothese

Tissue Engineering ist ein stark wachsender Sektor im Bereich der zukunftsorientierten Medizin und bietet ein enormes Potential, dem gerade in einer stark alternden Gesellschaft eine immer größer werdende Bedeutung zukommt. Unsere AG entwickelt hier DFG-finanziert eine bioartifizielle Gefäßprothese.

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Autologe Zellquellen

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Eines der Hauptprobleme in der Entwicklung non-immunogener Implantate liegt in der Isolation und Kultivierung von Endothelzellen unter dem Aspekt der autologen Transplantation. Dazu isolieren wir endotheliale Vorläuferzellen aus dem peripheren Blut (Kooperation mit der Blutbank der MHH) und optimieren deren extrakorporale Expansion und Entwicklung zu einer konfluenten Zellschicht auf den tubulären 3D-gedruckten Scaffolds für die Gefäßbioprothese. Hierbei spielen auch die durchflusszytometrische Analyse der spezifischen Zelluntergruppen sowie die selektive Subkultivierung eine Rolle. Zudem untersuchen wir den Einfluss verschiedener Scherstressbedingungen (statische vs. dynamische Kultivierung unter pulsatilem oder laminarem Fluss bei unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten) auf diese Zellen, um idealen Kultivierungsbedingungen zur Ausbildung einer anti-thrombogen wirkenden Einzelzellschicht auf der inneren Oberfläche zu identifizieren. Eine Testung der besiedelten bioartifiziellen Gefäßprothesen im Großtier ist zeitnah geplant.

Bioprinting und Scaffold-Entwicklung

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Im Bereich des Bioprinting und der Scaffold-Entwicklung beschäftigen wir uns sowohl mit der Entwicklung geeigneter Scaffolds für die bioartifizielle Gefäßprothese als auch mit Hydrogelen für die Bildung mikrovaskulärer Strukturen.

Im Bereich des 3D-Drucks arbeiten wir mit der Firma RegenHU (Basel, Schweiz) an einem R-Gen 200 Bioprinter (RegenHU) sowie mit dem Institut für mikroelektronische Systeme der LUH im eNIFE zusammen, um bestimmte Qualitätskriterien zu implementieren und Funktionen zu optimieren. Biodegradable Polymere werden als Scaffold-Material getestet und in hochaufgelösten Gitterstrukturen mittels Melt-Elektrowriting gedruckt (MEW). Der Druckprozess wird kann zur Herstellung von mikro- und makroskopisch definieren Strukturen, wie sie z. B. für die bioartifizielle Gefäßprothese benötigt werden, auf einem selbst entwickelten, rotierenden zylindrischen Druckbett durchgeführt werden. Die biohybriden Scaffolds umfassen ein Coating. Hier besteht eine Kooperation zu AG von Prof. Dr. M. Wilhelmi, MHH im NIFE mit Arbeiten an dezellularisierten Tierarterien und Fibrinsubstituten.

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In einem weiteren Projekt werden vaskuläre Netzwerke z. B. auf mittels porogen leaching angefertigte porösen Scaffolds mittels einer Kokultur aus mesenchymalen Stammzellen und Endothelzellen (sog. HUVECS = human umbilical venous endothelial cells) generiert. Dieser Ansatz wird aktuell auf 3D-gedruckte Hydrogele übertragen, um ein universell einsetzbares System zu entwickeln, welches für unterschiedliche Ansätze im Tissue Engineering zur Versorgung von Gewebe mit klinisch relevanter Größe eingesetzt werden kann.

Bioreaktorentwicklung

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Für die kliniknahe Bereitstellung und Kultivierung der bioartifiziellen Gefäßprothese („vascular grafts“) entwickelte unser Arbeitsgruppe in Kooperation mit dem eNIFE einen funktionsgerechten Bioreaktor. Dieser reguliert im Gegensatz zu existierenden Systemen auch den Differenzierungsprozess des reifenden Gefäßes und kontrolliert die Kultivierungsbedingungen. Hierfür wurden Sensorsysteme für pH, pO2, pCO2, Temperatur, Glukose, Laktat, Druck und Volumenstrom integrierts und ein berührungsloses Monitoring über Ultraschall etabliert. Der Bioreaktor wurde 2018 bereits mit dem Knubben-Technikpreis des VDI Hannover ausgezeichnet und wird nun im Sinne aktueller Konzepte der Medizinprodukteverordnung optimiert. Folgende Themen werden hier bearbeitet: Sterilitätstests, Dichtigkeitstests, Monitoringkonzepte mittels Sensorik, Etablierung von Flussprofilen im Vergleich mit Computersimulation (mittels Comsol Multiphysics) zur wandnahen Abschätzung des Scherstresses während einer Kultivierung. Nach erfolgreich mit Endothelzellen besiedelten und kultivierten nativen Scaffolds (dezellularisierte Arterien aus dem Schwein) sollen zukünftig auch 3D-gedruckte Scaffolds mit einer Beschichtung aus einem natürlichen Polymer mit endothelialen Vorläuferzellen verwendet werden.

Biotesting

Ein weiteres Aufgabengebiet der Arbeitsgruppe ist das Biotesting. Dabei handelt es sich um das Screening unterschiedlicher Materialien im Tissue Engineering oder um den Effekt pharmakologisch wirksamer Substanzen bezüglich Ihrer Auswirkung auf das Proliferationsverhalten sowie Ihrer Toxizität gegenüber humanen primären Zellen als auch Zelllinien. Für das Screening werden sowohl etablierte Assays (CTB, MTT, ECIS, Apo ONE) verwendet als auch neue Methoden etabliert, die versuchsspezifische Fragestellungen detaillierter einbeziehen. Dazu zählt die Toxizitätsbestimmung von modernen Immunsuppressiva in etablierten 3D-Sphäroidsystemen. Unsere Ergebnisse erklären beispielsweise die in der Klinik beobachtbare endothelzerstörende Wirkung des Calcineurininhibitors Tacrolimus auch unter kontrollierten klinischen Bedingungen.

EFRE: HLA-I-spezifische „T-Cell finder“ nach BK-Virus-Infektion

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Das Verbund-Projekt unter Führung der AG Blume besteht mit der Hochschule Hannover, der MHH sowie den Firmen imosyn und nal van minden und wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Niedersachsen gefördert. Es befasst sich mit dem Einsatz von HLA-spezifischen Streptameren zur Identifikation virusspezifischer Zellen als diagnostisches Mittel, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten, sowie als Grundlage für eine individualisierte T-Zell-Therapie bei CMV- und Polyomavirusinfektion nach einer Transplantation. Den Hintergrund für das Projekt bildet die Tatsache, dass Nieren‑ sowie Stammzelltransplantationen meist eine eingreifendee Immunsuppression erfordern, die zwar Abstoßungsreaktionen verhindert, aber die Infektanfälligkeit deutlich erhöht. Eine Virusinfektion z. B. mit dem BK-Virus kann dabei z. B. eine Polyomavirus-nephropathie (PVAN) mit Einfluss auf die Transplantatfunktion oder eine Zystitis verursachen, während eine Reduktion der Immunsuppression das Risiko von Abstoßungsreaktionen oder graft-versus-host-disease steigert. Daher wird ein präventives Screening auf virusspezifische T-Zellen für ein Immunmonitoring dringend empfohlen. Im Projekt werden HLA‑I‑Streptamere genutzt, um nach durchgemachter Virusinfektion T‑Zellen zu detektieren und zu isolieren und ggf. eine T-Zell-Library anzulegen.

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In der AG wurden bereits verschiedene LFAs gegen CRP und Chemokine entwickelt. Derzeit soll ein Lateral Flow Assay zur Detektion des Chemokins CXCL10 als Point-of-Care Test in Kooperation mit der Firma nal van minden entwickelt werden. CXCL10 ist als Urin-Marker bei PVAN bekannt und kann bei Transplantatfunktionsverschlechterung die Diagnose erhärten, bevor eine Transplantatbiopsie durchgeführt wird.

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Projektplan

  • Nach Auswahl verschiedener BKV-spezifischer Viruspartikel werden virusbeladene HLA-I-Monomere (imusyn) mit Streptactin (iba) zu HLA-I-Streptameren kombiniert und auf ihre Viruspartikelbindung hin überprüft. Diese virusspezifischen Streptamere werden dann genutzt, um aus in vitro kultivierten Proben von BK-infizierten gesunden Blutspendern BKV-spezifische Zellen zu gewinnen und zu vermehren. Die Immunaktivität der erhaltenen T-Zellen wird mittels ELIspot überprüft. Dasselbe Verfahren soll dann für immunsupprimierte PatientInnen mit (wie zu erwarten) geringerer Präsenz an virusspezifischen T-Zellen optimiert werden. Nach Identifikation von BKV-spezifischen HLA-I-spezifischen T-Zellen (CD8+Zellen = T-Killerzellen) wird ein T-Zell-Rezeptor-Scan durchgeführt, die Gencodes durch in vitro Translation überprüft und in einer T-Zell-Rezeptor-library abgelegt.

    Daneben wird ein Lateral Flow Assay zur Detektion des bei PVAN im Urin nachweisbaren Chemokins CXCL10 zusammen mit der nal von minden GmbH optimiert und als Point-Of-Care-Test für PVAN-PatientInnen evaluiert. Der Lateral Flow Assay für CXCL10 wird statistisch vorbereitet, zusammen mit nal von minden als serienreliabler Test aufgebaut, an Realproben von Nierentransplantierten mit PVAN evaluiert und auf Test-Performance überprüft. 

Kooperationen

Hearing4all.connects 

Optogenetik - Heilen durch Licht

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Als Teil des Exzellenzclusters Hearing4all.connects nutzen wir unsere Expertise mit mesenchymalen Stammzellen und in der Zelltransfektionen zur Entwicklung optogenetisch aktivierbarer Zellen für die therapeutische Anwendung am Menschen. Über Lichtinduktion mittels eines optogenetischen Schalters soll die Synthese bestimmter pharmakologisch oder neuroprotektiv bedeutsamer Proteine z. B. während der Einheilung von Cochleaimplantaten im Rahmen von begleitenden Zelltherapien induziert werden. Die Lichtinduktion hat gegenüber herkömmlichen Zelltherapien den Vorteil, dass spezifische Zellen gezielt aktiviert und die Proteinproduktion durch Anpassung der Lichtintensität genau gesteuert werden kann. Mehrere optogenetische Systeme wurden bereits in CHO- und HEK-Zellen evaluiert. Eines dieser Systeme wurde speziell für die Stimulation durch die Lasersysteme der AG von 
Prof. A. Heisterkamp, Institut für Quantenoptik der LUH, im NIFE optimiert und wird derzeit mittels lentiviraler Transduktion in mesenchymale Stammzellen aus dem Knochenmark übertragen.

Identifikation von Biomarkern in der cochlearen Perilymphe

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In einem weiteren Teilgebiet von Hearing4all.connects suchen wir unter Leitung von Dr. Rebecca Jonczyk, TCI/LUH in Kooperation mit der AG von Fr. Prof. A. Warnecke in Perilymphe-Proben von Patienten mit Hörverlust nach Biomarkern, mit denen der Schweregrad der Ertaubung oder die krankheitsspezifische Ursache bestimmt werden können. 0,5-2 µl Perilymphe können während einer Cochlea-Implantierung aus dem Innenohr von Patient*innen entnommen werden. Mit Hilfe eines Luminex-basierten Multiplex-ELISAs werden in solch geringen Mengen an Perilymphe bis zu 48 verschiedenen Analyten bestimmt. Die Marker werden mittels eines Machine-Learning-Verfahrens durch Dr. Patrick Lindner, TCI/LUH analysiert. Ziel ist, die Identifikation von Markern für eine perioperative, diagnostische Testentwicklung.

Lebendzellarrays

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In einem anderen Projekt untersucht Frau Dr. Jonczyk gegen humane Leukozytenantigene (HLA) und Non-HLA eines Spenderorgans gerichtete spenderspezifische Antikörper mit Hilfe von Lebendzellarrays. Da sich eine Abstoßungsreaktion auch zu einem erheblichen Teil auf an der inneren Auskleidung von Blutgefäßen eines Organs, dem Endothel, abspielt, werden hierzu endotheliale Vorläuferzellen aus der Blutbahn verwendet.  Sie gelten im erweiterten Sinn als Teil des menschlichen Immunsystems und können immunisiert werden und abstoßungs-relevante Antikörper binden. Es wird ein Protokoll entwickelt, um Lebendzellarrays mit diesen Endothelzellen für ein Follow Up-Monitoring im Rahmen einer individualisierten Diagnostik zu kryoasservieren, zu lagern und qPCR sowie Antikörperdetektion an und auf den nativen Zellen zu optimieren. Um die Antikörperdetektion unter möglichst lebensnahen Bedingungen zu ermöglichen, soll der Assay in Kooperation mit Gesim und nal van minden um eine dynamische Mikroflusskammer ergänzt werden. In einem Subprojekt werden in T-Zell / Endothel-Zell-Kokulturen immunologische Reaktionen wie Zytokin-Sekretion mit dem HLA-mismatch korreliert.

OPUS CKD-Projekt (Open User File for Chronic Kidney Disease)

Chronische Nierenerkrankungen sind ein wichtiges Forschungsthema, das rund 10% der Bevölkerung betrifft. Dabei sind die Zusammenhänge zwischen Nierenerkrankungen und Einflussfaktoren, wie beispielsweise Alter, Diabetes oder Herzerkrankungen, insbesondere in definierten Subgruppen noch nicht ausreichend erforscht. In verschiedenen von der KfH-Stiftung Präventivmedizin e.V. geförderten Studien wie BIS, DIACORE, CAD-REF, GCKD oder 4C wurden umfassende Daten von 15.000 Patienten über 5-7 Jahre und jeweils 120 Parametern gesammelt und zu einer Kerndatenbank (KDB) zusammengefasst und sollen im OPUS-CKD Projekt gezielt aufgearbeitet und für die Forschung an verbesserter Versorgung von Nierenerkrankungen als „open user file“ zugänglich gemacht werden. Dazu können über eine Webseite gezielte Anfragen gestellt werden, um einen einfachen Überblick über die in der Datenbank enthaltenen anonymisierten Patientendaten zur Verfügung zu stellen. Anschließend können die jeweils passenden Daten unter Einhaltung des Datenschutzes zugänglich gemacht werden. Finanziert wird das Projekt von den Förderprogrammen der Hochschule.digital Niedersachsen sowie des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung (unter zukunft.niedersachsen).

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MinDial

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Das Innofond-finanziertes Projekt MinDial im Bereich der Versorgungsforschung untersucht den Wert eines Risk-Scores für die Einschätzung des Risikos, einmal Dialysepatient zu werden. Nierenkranke Patienten wurden über ein Jahr in vier benachbarten Kliniken der Knappschaft (einem Gesundheitsanbieter, der gleichzeitig Versicherer ist) im Raum Essen-Bottrop rekrutiert und mit einem automatisierten Entlassmanagement versorgt. Jeder Knappschaftspatient, der dort aufgenommen wurde, wurde im Rahmen seines klinisch-stationären Aufenthalts gescreent. Patienten, die ein Risiko von 15 % oder höher für Dialyse in den nächsten 5 Jahren aufwiesen, wurden automatisch an einen Facharzt für Nephrologie überwiesen und dort weiter betreut. Die Effizienz dieser Maßnahme wird nach Abschluss des Follow Up derzeit im Projekt bewertet und kann – bei Erfolg – Eingang in die gängige und abrechenbare klinische Versorgungs-Praxis erhalten. Partner im Projekt sind - neben den Knappschaftskliniken und dem KfH-Nephrologen Prof. Dr. Hollenbeck - Prof. Binder an der Universität Freiburg (Evaluator) und das IMIBE (Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) in Essen.

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Kontakt

Cornelia Blume Cornelia Blume
apl. Prof. Dr. Cornelia Blume
Adresse
Callinstraße 3-9
30167 Hannover
Gebäude
Raum
258
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